Medienbericht 3

Teamwork für ein komplexes Geschäftsmodell: der Fall Roadrunner

Autor / Redakteur: IT-BUSINESS / Dr. Andreas Bergler

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Die Transport- und Logistikfirma Roadrunner Transport hat ihre IT-Infrastruktur komplett erneuert. Mithilfe eines Expertenteams gelang es, die Vorteile der Virtualisierung und Mobility voll zu nutzen.

Medienbrüche und eine mehr und mehr in die Jahre gekommene IT-Infrastruktur machten der Roadrunner Transport GmbH mehr und mehr zu schaffen. Peter Stiller von Hall vom Dienstleister PSVH Computer, der für die IT des Unternehmens verantwortlich zeichnete, erkannte, dass die Lösung in der bisherigen Form nicht mehr skalierte. Denn die selbst entwickelte Leading App auf Basis von Access konnte schließlich mit ihrer Client-Server-Struktur den Anforderungen an eine eine moderne Infrastruktur und den gestiegenen Ansprüchen der Kundenanfragen nicht mehr genügen.

Virtualisierte IT als Basis

Zusammen mit der Geschäftsführung von Roadrunner und Peter Stiller von Hall entwickelte Achim Heisler, Geschäftsführer von A-H-S Computer, ein Konzept für die strategische Entwicklung und Neuausrichtung der IT von Roadrunner. „Wichtig für einen nachhaltigen Erfolg solcher Projekte ist, dass während der einzelnen Projektschritte immer die dahinterliegenden Workflows mit auf den Prüfstein gestellt werden“, betont Heisler. „Denn man wird einige Schritte finden, die zwar schon immer so gemacht wurden, aber nie einer optimierenden Betrachtung unterzogen wurden.“

Während von Hall das Frontend verantwortete, übernahm Heisler mit seiner Erfahrung aus den Themenbereichen Virtualisierung, Storage und SQL-Server das Backend. Um das System auch für die Zukunft zu öffnen und weiteren Skalierungsoptionen Raum zu geben, bauten die IT-Experten eine virtualisierte Umgebung mit Citrix Xen Server und Openfiler als Storage-System auf. Als Datenbankbasis wurde der Small Business Server SBS 2008 Premium gewählt.

Nachdem die entsprechenden Active Directories, der DNS-Server und Exchange sauber eingerichtet waren, konnte der nächste Schritt eingeleitet werden. Die bisherige Access-Datenbank migrierte das Team auf einen SQL-Server. Dass dabei Access als Frontend erhalten blieb, sicherte die Akzeptanz bei den Mitarbeitern: Diese konnten mit dem bekannten GUI wie gewohnt weiterarbeiten.

Erste Vorteile: die Workflows

Was also zunächst gar nicht spürbar war, entwickelte sich im Folgenden zu einem handfesten Vorteil. Hierfür musste allerdings ein weiterer Dienstleister ins Boot geholt werden. Im Umfeld von Integration und Automatisierung von Geschäftsprozessen hatte sich der Workflow-Spezialist Schaefer Business Solutions einen Namen gemacht. Zusammen mit BMW passte Schaefer die Workflows so an, dass die Informationsübertragung bei Roadrunner nun direkt in die SAP-Systeme von und nach BMW erfolgt. Eine Middleware auf einer VM wandelt die Daten nun automatisiert in das SAP-interne Format und übermittelt sie über die OFTP2-Schnittstelle.

 

Hier machte sich die Virtualisierung bereits positiv bemerkbar. Denn für die nötigen Test und Produktionssysteme mussten einfach nur neue VMs aufgesetzt werden. Obwohl das System jetzt rund lief, stellte sich die drängende Frage nach der Verfügbarkeit der Daten und deren Absicherung. Die bis dato vorhandenen Systeme glichen immer noch Single Points of Failure.

Sicherheit und Mobilität

Ein weiterer Xen-Server wurde deshalb zu den bereits vorhandenen hinzugenommen und konzentriert sich nun ausschließlich auf den Failover der produktiven Systeme. Um die Backup-Images aufzunehmen, installierte Heisler zusätzlich eine virtuelle Instanz des Openfiler Storage Server.

Die größte Herausforderung folgte aber erst noch. Denn nun musste auch der zentrale Prozess der Firma angepackt werden: Die Einbindung der mobilen Mitarbeiter. Die alten PDAs der Kurierfahrer sollten endlich gegen neue Geräte ausgetauscht werden. Mit GPS, Navigation und aktuellen Anwendungen sollte sich der Funktionsumfang, der den Fahrern zur Verfügung steht, stark erweitern.

Hierzu wurde schließlich noch das IBES Systemhaus als vierter Partner zu Rate gezogen. Mit der Wartung der PDAs und der Programmierung der Mobilgeräte zeichnet IBES nun für die komplette Mobilität von Roadrunner verantwortlic, darunter vor allem die Datenkommunikation mit Fahrern und Subunternehmen. Der Dienstleister baute zunächst einen lokalen Applikationsserver als Schnittstelle auf. Aus der lokalen Anwendung erstellte Heisler vor Ort die entsprechenden ETL-Prozesse (Extract Transform Load) zur Transformation und entwickelte ein spezielles Puffersystem auf Basis von SQL-Express.

Um langfristige Funktionalität und Performance sicher zu stellen, wurden abschließend noch Backup- und Archivierungsprozesse für die produktiven Datenbanken integriert.

Auch wenn jetzt schon viele Dinge umgesetzt wurden, stehen noch wichtige Punkte aus. So gilt es Workloads von der Clientseite zu entfernen und diese in das Backend zu verlagern. Dies ist eine Voraussetzung um künftige VDI- Strukturen zu ermöglichen und deren Thin Clients zu entlasten. Weiterhin soll das ortsgebundene First- und Second-Level-Backup um ein Cloud-basiertes Desaster Recovery erweitert werden.

Ziel muß es auch in Zukunft sein, der Firma Roadrunner bei der Umsetzung Ihrer Ideen zu helfen und so einen Vorsprung in Prozeßabwicklung und Zuverlässigkeit in der hart umkämpften Logistikbranche zu sichern.